Ich bin keine hardcore Rollenspielerin, aber ich habe den Anspruch, dass jeder Charakter, den ich länger spiele, eine Hintergrundgeschichte hat. Bislang habe ich zweien meiner Charaktere in der Hinsicht Leben eingehaucht. Das eine ist meine Erzmagierin Ilanaya, das andere die Hexenjägerin Siegrun. Bei beiden war es so, dass ich während des Spiels Ideen für die Charaktergeschichten gesammelt habe und dann die Geschichten geschrieben habe. Das heißt ich habe den Charakter angefangen und einfach mal geschaut wie er sich entwickelt und keine von Anfang an steifes Konzept gehabt. Bei Ilanaya war dann der inspiriernde Moment ein Gespräch mit einem anderen Erzmagier im Gildenchat über unsere Motivation und unsere Gründe in den Krieg zu ziehen. Darauf hin schrieb ich dann folgendes:

Ilanaya wendet sich Ishtasaar zu. Mit ihren dunklen Augen sieht sie ihn an. „Unsere Bürde ist nicht immer leicht zu tragen. Aber ich kämpfe dafür, dass es wieder eine Zeit gibt, in der Unschuldige unschuldig bleiben können.“
Sie schweigt eine Weile. „Meine Unschuld verlor ich vor langer Zeit. Zu dieser Zeit waren die Konflikte noch fern von Saphery und ich lebte unbeschwert am Turm von Hoeth.“ Ein leichtes Lächeln der Erinnerung huscht über ihr Gesicht, das aber zu schnell wieder verschwindet. Ihr Blick wandert zu ihren Händen, die mit einem Amulett spielen. „Ich war mit ein paar anderen Novizen in den Wäldern zu den Grenzen von Avelorn unterwegs, als eine Gruppe von Dunkelelfen uns überfiel. Die Hälfte von uns Novizen überlebte nicht und ich verdanke meine Rettung einem kleinen Trupp von Schwertmeistern, die unsere Schreie hörten.“ Sie bricht ab, scheint tief in Gedanken zu sein, erzählt dann aber weiter. „Einige der Hexenkriegerinnen überlebten nicht, aber die Zauberin die sie begleitete, konnte mit einigen entkommen. Bevor sie verschwand, warf sie mir einen Blick zu, den ich bis heute nicht vergessen habe. Er war eiskalt und voller Hass.“ Ganz kurz glaubt Ishtasaar ihren unterdrückten Zorn spüren zu können. Sofort scheint Ilanaya genauso beherrscht wie eh und je.

„An diesem Tag änderte sich mein Leben. Stärker als je zuvor widmete ich mich meiner Ausbildung und lernte neben dem Heilen auch das Töten. Ich war auf einer Reise nach Ellyrion als ich wieder einen Überfall erlebte. Diesmal waren wir stärker als sie. Mit dem Blut der Angreifer an meinen Händen wurde ich schuldig. Vielleicht war ich das aber schon, seitdem ich mir Wissen über das Töten aneignete und nicht erst seit dem ersten getöteten Feind.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Diese Frage können nur die Götter beantworten und ich legte dies in ihre Hände.“

“Dies war das Jahr, als ich meine Familie das letzte Mal besuchte. Sie leben in einem kleinen abgeschiedenen Teil von Avelorn unter dem Schutz der Immerkönigin. Als ich ihnen meinen Entschluss mitteilte, wandten sie sich von mir ab. Sie konnten meine Entscheidung nicht verstehen. Zu friedlich ist ihr eigenes Leben.“ Es blitzt kurz Zorn, dann Trauer in ihren Augen auf. „Trotzdem hoffe ich, dass wenigstens sie ihr friedliches Leben weiter lebe können, auch wenn sie mich nie versteh en werden.“Ilanaya blickt wiederum auf das Amulett, das in ihren Händen liegt. „Dies ist das Einzige was mir von meiner Familie bleibt.“

Lange blickt sie Ishtasaar an. „Dies führte mich hierher.“

Eine Geschichte zu meiner Hexenjägerin schrieb ich relativ bald, nachdem ich sie in die Gilde geholt hatte. Ich hatte mir davor unter anderem ein paar Gedanken dazu gemacht, was eine Gilde im Rollenspiel sein könnte. Da meine Gilde, die „Altdorf Avengers“ keine Ein-Volk-Gilde ist, sondern ein bunt zusammengemischter Haufen, stößt Siegrun während einiger Kämpfe auf diesen losen Bund tapferer Kämpfer. Damals habe ich dann eine Szene beschrieben, in der unser Gildenleiter Glaimbar über die Vergangenheit der neu dazu gestoßenen Siegrun informiert wird.

Die Gassen von Altdorf sind mit bunten Treiben gefüllt. Auf dem Marktplatz feilschen Händler aus allen Teilen der Welt mit Bewohnern von Altdorf und Fremden um ihre Ware. Glaimbar entdeckt beim Vorübergehen einige bekannte Gesichter von Kriegern die sich im Imperium eingefunden haben, um ihr Hilfe beim Kampf gegen das Chaos anzubieten. Von kleinen Scharmützeln des Tages, die sich zum Teil über Stunden hinzogen, erschöpft, steuert Glaimbar das Wappen von Reikland an. Schon beim Betreten schallt ihm lautes Stimmengewirr entgegen. In einer Ecke in der Nähe von einigen Imperiums-Wachen, die gerade in ein Kartenspiel vertieft sind, entdeckt er doch noch einen freien Platz. Nach einigem Warten und wiederholter Aufforderung bringt ihm schließlich eine Schankmaid ein Bier. Knurrig nimmt der Zwerg es entgegen und will sein kühles Bier genießen.
„Ich grüße euch.“ Glaimbar zuckt zusammen. Neben ihm sitzt ein Hexenjäger, der ihn gerade angesprochen hat.
„Was wollt ihr von mir? “ brummt Glaimbar und mustert seinen Nebenmann kritisch.
„Ich grüße euch“ wiederholt dieser. „Ihr seid doch Glaimbar Scharfklinge. Ich habe gesehen, dass Ihr Siegrun kennt.“ Nach einem kurzen Moment fällt es Glaimbar ein. Der Jäger könnte die Hexenjägerin meinen, die sich kürzlich ihm und seinen Kampfgefährten angeschlossen hat. Bislang hatte er mit ihr nicht wirklich viel zu tun und gibt einen Laut von sich, den man sowohl als Zustimmung als auch als Verneinung zu der Aussage seines Gegenüber deuten kann.
„Die Kleine hat nicht den besten Ruf“ wird er belehrt. Irritiert schau Glaimbar seinen Nebenmann an. Dieser fährt fort. „Sie ist tief gefallen. Sie war in der internen Inquisition. Wollte einen Sigmarpriester wegen irgendwelcher zwielichtigen Geschäfte daran bekommen, aber sie war diejenige, die vom rechten Pfad abgekommen war. Eines Tages wurde jene Sigmarpriester tot aufgefunden und die Spuren deuteten auf Siegrun hin.“ Der Zwerg knurrt. Was ihn momentan interessiert, ist einzig und allein sein wohlverdientes Bier und nicht irgendein toter Priester.
Der Hexenjäger deutet sein Knurren anscheinend falsch, denn er meint: „Ja, das gab einigen Tumult damals. Nur ein Ketzer kann es wagen Hand an einen Manne Sigmars zu legen.“ Glaimbar knurrt nochmals. Diesmal mit der Bedeutung, wenn Ihr mich nicht in Ruhe erstmal mein Bier trinken lasst, wage ich es meine Hände an Euch zu legen. Doch der Hexenjäger ignoriert das warnende Gebrumme des Zwerges.
„Eines muss man ihr lassen“, Glaimbars Nebenmann nickt anerkennend, „ein Geständnis haben wir von ihr nie bekommen, auch wenn wir leider Spuren auf ihrem hübschen Gesicht hinterlassen mussten.“ Er grinst hämisch. „Na, was hat sie Euch für eine Geschichte über die Narben aufgetischt?“
Endgültig gereizt über die Störung und das ignorante Gehabe seines Nebenmannes fährt Glaimbar ihn an. „Und was soll mich das jetzt interessieren?“
„Naja“ entgegnet dieser. „Ihr habt euch unter den Kriegern einen guten Namen gemacht, wäre doch schade, wenn Euch jemand mit ihr in Verbindung bringt. Nach dem Zwischenfall wurde sie, wie soll ich das ausdrücken, vom Dienst suspendiert. Und darüber wie sie nun ihr Geld verdient, gibt es viele Meinungen, aber nicht eine einzige wäre sie für ehrenvoll.“
„Ach, lasst mich doch in Ruhe“, brummt Glaimbar.
„Ihr werdet schon sehen“ erwidert der Jäger , tippt zur Verabschiedung an seinen Hut und erhebt sich.
Glaimbar beschließt über die gehörten Worte in Ruhe nach ein paar Bier, wenn sein Verstand wacher ist, nachzudenken. So ganz egal sind ihm die Worte über Siegrun nicht. Sie war ihm bislang nicht negativ aufgefallen, sehr schweigsam schien sie zu sein, aber zu wissen wie man kämpft und alleine das zählt in dieser Zeit mehr als Worte. Vertrauen ist in dieser Zeit ein seltenes Wort geworden, wo man Seite an Seite mit Menschen und Spitzohren kämpfen muss. Glaimbar seufzt.

Ein paar Stunden und einige Bier später verlässt Glaimbar zufrieden das Wappen. Den Zwischenfall hatte er schon wieder vergessen, als Siegrun in einer engen Gasse plötzlich neben ihm auftaucht.
„Nun also auch euch“ sagt sie. „Ihr seid nicht der einzige der vor mir gewarnt wurde.“ Sie lacht bitter. „Ich hoffe ihr traut meinen Taten mehr als diesem Geschwätz, das über mich gestreut wird.“
„Nun, kehrt auch Ihr mir den Rücken? “ Herausfordernd sieht Siegrun Glaimbar an. „Ziert Euch nicht. Ihr wäret nicht der Erste.“ Ihre Miene verfinstert sich kurz.
„Na“, denkt Glaimbar, „meinen Rücken würde ich euch sicher nicht zu drehen. Dolch im Rücken ist gar nicht angenehm “. Schweigsam sieht er sie an. Gelassen erwidert sie seinen Blick.

Zum wiederholten Male fallen dem Zwerg die Narben in ihrem Gesicht auf. Bislang hatte er sie nie darauf angesprochen. Jeder hat in diesen Zeiten einiges erlebt, über das ein Mantel des Schweigens sorgsam gebettet wurde. „Beweist Euch im Kampf, Mensch“ brummt Glaimbar. „Daran werde ich Euch messen.“

Siegrun nickt ihm zu und tippt zum Abschied an ihren Hut. Dann hat auch schon die Nacht in den Gassen Altdorfs sie verschluckt.

Und nun ist meine Feuerzauberin langsam im T4 angekommen, aber bislang fehlt mir noch der „magische Moment“ und die zündende Idee zum einen für die Geschichte des Charakters, zum anderen für die Form, in der ich die Geschichte erzähle.

Mich würde interessieren, habt ihr zu euren Charakteren eine Geschichte?

Was hat euch dazu bewogen/inspiriert?

Welche Gedanken macht ihr euch, wenn ihr eine Geschichte schreibt?

In welcher Form erzählt ihr die Geschichte eures Charakters?


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