Das Gasthaus „Zum Goldenen Ring“ lag ein bisschen zurück gesetzt an der Straße. Warmes Licht erleuchtete die Fenster und sowohl Ilani als auch bei Tobias war ein Erleichterung anzumerken, als sie von den Pferden stiegen. Sie standen kurz neben ihren Pferden als ein Stallbursch auf die beiden zukam um die Pferde in den Stall zu bringen. Ilani steckte ihm noch eine Münze zu, so dass er sich gewissenhaft um ihre Pferde kümmern würde. Schon beim Betreten des Gasthauses erinnerte sie der Geruch von Essen an ihre hungrigen Mägen. Tobias begrüßte den Gastwirt gleich und erkundigte sich nach zwei Zimmer für die Nacht. Dieser musterte Ilani skeptisch, verbarg aber sein Unbehagen. An diese Reaktionen war Ilani gewöhnt und bemerkte sie gar nicht mehr. Die meisten Menschen hielten Abstand zu den Feuerzauberern, zu unheimlich schienen ihnen deren Fähigkeiten.

Der Gastraum war bis auf wenige Menschen leer. An einem Tisch saßen ein paar Bewohner aus dem nahegelegenen Dorf. An einem anderen Tisch saßen zwei Männer, die wild gestikulierend wohl über irgendetwas debattierten. Ilani und Tobias nahmen an einem Tisch im Eck Platz und bestellten sich etwas zum Essen. Im Kamin knistertern Flammen.Von dem Tisch mit den beiden Männern bekamen sie ein paar Gesprächsfetzen mit. „…natürlich nicht. Was denkt denn Ihr? Mit den sichtbaren Sternen bewegen sich auch dunkle Sternmassen. Diese fallen herab und verglühen. Das ist die Herkunft der Feuerkometen.“ Ilani bemerkte auf den Tisch der beiden noch unberührtes Essen stehen. „Nein“, widersprach sein Gegenüber vehement. „ Der ganze Himmel ist aus Steinen zusammengesetzt und diese werden durch den Äther in Glut versetzt, so dass sie zurückstrahlen und diese Steine werden zwischendurch hier herunter geschleudert.“ „Ach, was“, höhnte der andere, „und woher sollen Eure Steine denn kommen?“ Ilani verpasste einen Teil der Antwort als der Wirt sich mit ihrem Essen näherte. Sie wünschte Tobias einen guten Appetit und die beiden beschäftigten sich erstmal mit ihrem Essen. „Sie werden vom Umschwung von der Erde gerissen?“ Ein lautes Lachen drang an Ilanis Ohr. „Das ich nicht lache, aber werter Severus, Ihr glaubt doch nicht das, was Ihr da erzählt.“ „Ich zweifle eher an Euch, Sciensus“ entgegnet der Angesprochene. „Der Umschwung ist die kosmische Kraft, der Äther ist im ewigen Lauf und durchdringt alles.“ Die beiden schienen so in Rage, dass sie alles um sich herum vergaßen. Das Essen stand noch immer unberührt auf dem Tisch. Ilani verstand nicht, um was sich genau das Gespräch der beiden drehte. Vor langer Zeit war ein Feuerkomet auf die Welt gestürzt und die Sigmarpriester hatten das als Zeichen Gottes gedeutet. Aber was sollte das mit von der Welt gerissenen Steinen zu tun haben? Sie schaute zu Tobias, aber der schien von dem Gespräch nicht viel mitbekommen zu haben. Ilani musterte die beiden Männer unauffällig und schätze, dass beide die Mitte ihres Lebens bereits überschritten hatten. Sie waren einfach gekleidet, aber sie konnte sich die beiden nicht dem einfachen Volk zugehörig vorstellen. Aber eigentlich hatte sie andere Dinge, um die sie sich genügend Gedanken machen musste. Ilani wechselte noch ein paar Worte mit Tobias und begab sich dann auf ihr Zimmer.

Dort angekommen rollte sie die Karte, die von der Umgebungs Altdorfs hatte auf und studierte den Weg, den sie morgen reiten wollte. Ihr Ziel war Grundburg, von dort aus sollte die Fahrt auf dem Fluss weitergehen. Ilani wollte für den morgigen Tag vorbereitet sein, nicht wieder wollte sie sich eine Blöße vor Tobias geben. Gut, sie war noch nicht viel aus der Stadt rausgekommen, aber Karten lesen konnte sie auch. Ach, was sollte das denn werden? Der Meister vermisst und sie sollte ihn finden? Wiedereinmal seufzte sie, wieder einmal ein Seufzen zu viel, wie sie ärgelich feststellte.

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